Broadwater Farm, Streit um Sozialwohnungen in Großbritannien!

Zum Streit über die Pläne Sozialwohnbausiedlungen niederzureißen gab es von mir in der taz diesen Bericht www.taz.de/Sozialer-Wohnungsbau-in-London/!5274362/

über die Wohnsiedlung Broadwater Farm in Tottenham.

Broadwater Farm 1
Broad Water Farm Estate, London (c) Daniel Zylbersztajn 2016

Mein Bericht in der taz beinhaltete eigentlich viel mehr Besuche bei anderen Wohnsiedlungen. Ich war am Ende der Meinung, dass Broadwater Farm alles irgendwie zusammenfasst. Für jene, die etwas mehr lesen wollen, hier der Rest meiner Vorrecherchen:

    – Click here for an English translation of this page! –

Packington Estate in Islington.

Packington Estate 1

Auch hier gab es einst angeblich Sozialprobleme unter den etwa 540 Bewohnern. Tatsächlich lebten hier einige Familien, die in einen kriminellen Lebenstil gerutscht waren. Nachdem es im Jahr 2003 Probleme mit den Gasleitungen bekannt wurden, beschloss die Stadtautorität Islington, die Wohnungen an eine private Miet-und -Baugesellschaft zu verkaufen, damit diese sie dann neu aufbaut.

Anders als in einigen anderen Regionen, pochte man darauf, dass die meisten der vorherigen Sozialmieter hier weiter wohnen können.

Schlechter Bau, und Verbannung aus der Stadt!

Viele derer,die schon umgezogen sind, geben sich im großen und ganzen zufrieden, auch wenn das umziehen anstrengend und teilweise viel länger dauerte als man zuerst annahm. Georg Smith, 80 beschreibt seine neue Wohnung als schön. Er ist aber nicht der einzige, der darauf hinweist, dass die alten Wohnungen zwar kalt, aber solide gebaut waren. „Diese hier, sind nur kosmetisch gut! Ich bin mir sichere, dass man die in 20 Jahren wieder sanieren muss, die Wände sind dünn, wie sonst was, während die alten Wohnungen mit echten Ziegeln gebaut wurden.“ Eine andere Bewohnerin, Mutter dreier Kinder, die nicht genannt werden möchte, behauptet dass das Verfahren auch dazu ausgenutzt wurde, „Mieter die in der Vergangenheit schlecht aufgefallen waren, außerhalb der Stadtgrenze zu verbannen“. „Das ist weder fair, noch löst es die Probleme, die diese Menschen hatten“. Und wissen sie was“, fügt sie hinzu, „da hinten wohnen die Privaten. Gerade da wurde vor Wochen der Lift nach einer all zu heftigen Housewarmingparty zerstört. Wer ist hier also asozial“?, fragt sie.

Packington in Islington liegt in einer Gegend in der eine ein-Zimmer Wohnung inzwischen über um die eine Millionen Euro kosten kann. Von den hier gebauten privaten Wohnungen kann also groß Profit gemacht, und ähnlich wird es bald nicht weit vom neuen Glanzobjekt Nine Elms gehen auf der anderen Seite der Thamse im Südwesten gehen.

Wandsworth: Profit mit 40-stockwerken hohen Privatwohnungen gerade noch verhindert

Winstanley Estate 1

Hier im Südwesten Londons, dort wo Flugzeuge tief zum Anflug auf Heathrow sinken, liegt direkt an der Haltestelle Clapham Junction der Winstanley Estate. Auch hier stehen Wohnbauten aus den Sechziger Jahren. Die konservative Stadtautorität Wandsworth behält die Region schon lange im Auge zur „Regenierung“. Vor acht Jahren, konnten Anwohner noch den Bau zweier 40-stöckiger Wolkenkratzer für Privatwohnungen, verhindern. Doch auf der anderen Seite kann man schließlich mit dem Argument „maroder Gebäude und asozialer Menschen argumentieren“. Cyril Richert, 43 von der Clapham Junction Acton Group glaubt nach vielen Jahren des Kampfes, dass man gegen die konservativ gelenkte Stadtbehörde nicht ankomme. „Sie hören gar nicht mehr auf uns“ behauptet er. Somit sehen sie sich gezwungen mit Außenstehende zu reden, um so indirekt Druck auf Wandsworth zu machen. Sie verbuchten beispielsweise einen kleinen Sieg, als sich durch Lobbyarbeit beim Londoner Verkehrswesen TFL herausstellte, dass ein weiteres geplantes Hochhaus, mitten auf dem Gelände eines neuen geplanten Bahnhofsausgang stehen würde. Doch die nahezu vollkommene Zerstörung des Winstanley Estates, sagt Richert, lasse sich nicht mehr aufhalten.

Gutes Leben zwischen Mord und Häusern mit Garten.

Im Grunde sind nur drei achtstöckige lange Häuser unter den vielen verschiedenen Sozialwohnbauten in wirklich schlechten Zustand. Bewohner hier erzählen von schlechten Fenstern und Leitungen, aber auch von sehr guten Nachbarn. Viele andere Häuser hier sind nur zweistöckig, ja sie verfügen über eigene Gärten. Gewaltsame Auseinandersetzungen bei denen auch Waffen eingesetzt wurden, ja Mord, sind in der Region nicht unbekannt, jedoch, so bestätigen ein Dutzend befragter Bewohner keineswegs normaler Alltag. Es passierte das letzte Mal vor drei Jahren. Richtig schlimm sei es aber eher vor 15 Jahren gewesen, bevor man einfache Sicherheitsvorkehrungen wie Kameraüberwachung, sicherere Eingänge zu den Wohnungen einführte. Alle behaupten, dass die Gemeinschaft und das Leben hier gut sei. Das Gefühl des Unwohls, so beschrieben es auch Bewohner Broadwater Farms , „sei eher subjektiv, basiert auf Personen, die sich hier nur kurzfristig aufhalten, und welche die Leute hier nicht kennen“. Dementsprechend ist die Anzahl der Menschen, die von Thatchers Right to Buy, dem Recht seine Sozialwohnung zu kaufen, Gebrauch machten auf dem Winstanley Estate nicht minder. „Armutsfalle“?, fragt eine 30 jährige junge Frau erstaunt, als sie von Camerons Plänen 100 Sozialwohnbauten überall im Land zu bulldozern hört. „Ich bin hier aufgewachsen und zur Schule gegangen und bin heute Ärztin“. Ich würde das Leben hier es nicht idealisieren, mein Bruder wurde hier sogar mal für seine Geldbörse überfallen, aber viel schlimmer als anderswo in London ist es auch nicht“, meint sie.

Doch 102 Millionen Pfund für 100 Wohnungen, die Zahl die Cameron für die Gesamtsanierung der Wohnsiedlungen im ganzen Land locker legen will, sind herzlich wenig Geld. Es sei den, man macht Deals mit Bauunternehmen, die den Restbetrag durch den Verkauf privater Wohnungen ausgleichen. So befürchten viele, dass man Mieter vor die Türe stellt oder weit ab in entfernte und billigere Regionen unterbringen lässt. Bald wird auch hier, bis auf zwei bereits jetzt private Hochhäuser alles zu Boden gestampft werden, genau so wie damals in den 60ger Jahren, als die ehemals viktorianischen aus roten Ziegelstein gebauten Sozialwohnungen nicht mehr adäquat erschienen.

Gesicherte Tory Stimmen

Das ist vielleicht dann auch britische Tradition, den auch im East End und in Chelsea handelte man so im 19 Jahrhundert. Das ehemalige Hafenslum Chelsea ist inzwischen Hochburg der Superreichen, ja in manchen Vierteln liegt der Großteil der Sozialwohnungen Privateigentum. Das mag auch der Traum in Wandswoth sein, nicht weit von Winstanley entstehen überall lukrative Glasbauwüsten. Labours Tony Belton, der seit 40 Jahren oppositionelles Mitglied des Stadtrates für die Gegend um Winstaley Estate ist, sieht den ganzen Prozess als politisch bedingt. „Die Anzahl der Sozialwohnungen sei schließlich ausschlaggebend, ob eine Region eher konservativ oder Labour wählt“, behauptet er. Städte mit weniger Armen, mehr Privateigentum weit und breit und eine gesicherte Stimmen für die blaue Partei.

Winstanley Estate 5 Orofitraechtig, Schon jetzt macht ein Markler an der Haltestelle Werbung

 

Journalism, because you believe in it. ● Journalismus, weil man daran glaubt

My report in the taz:  www.taz.de/Urteile-in-Grossbritannien/!136624/

#Nicholasjacobs free.  I was one of the only few German journalists (maybe the only German at the beginning?), that went to the trial for a few days and reported on it for #TazDieTageszeitung, the only German newspaper independent and clever enough on such issues.

Because most people do not want to pay for news anymore, reading free of charge online or those free hand out newspapers,  I did not get  paid much for the many hours in court apart from one article,  but I understood that truth and information are sometimes more important, than what you get paid, especially whilst much of the UK media was taking the side of the crown prosecution even though now they claim otherwise.

I remember how on the second Monday of the trial, I was the only journalist at all observing the entire demo for Jacobs, whilst a BBC colleague with camera did a 2 minute recording and then left.

This – going to trials, listening and taking longer notes – isn’t sustainable for ever for journalists like myself, but I know what I am in journalism for. I could have continued to build a career as CEO of NGOs, but chose to go back to journalism, because of passion for truth, justice and reporting from angles others don’t, based on a solid foundation of original studies in politics, sociology and modern history, journalism and years of commitment to the media. I was also in a minority by hinting to the internal corruption of the police and the problems with the witnesses produced.

As to the issue of the events 30 years ago, I hope some sort of truth and reconciliation process could emerge for all victims of the time, those who were targets and victims of the Met and for the family of the murdered officer Keith Blakelock.

DEUTSCH

Mein Bericht in der Taz http://www.taz.de/Urteile-in-Grossbritannien/!136624/

Ich war einer der wenigen Deutschen Journalisten ( anfänglich evtl. der einzige Deutsche), die einige Tage des Prozesses gegen Nicholas Jacobs im Gericht beobachtet hatten, und einiger der wenigen aller, die überhaupt über Probleme im Fall, Polizeikorruption und unzuverlässige Zeugen von Anfang an schrieben.

Mein Honorar dafür, war mehr, dass mein Sinn für aufrichtigen und informativen Journalismus, basiert auf eine fundierte Ausbildung in Politik und Zeitgeschichte, und Jahre der Erfahrung, richtig war, als das wenige Geld was man mit dem Journalismus dieser Tage verdient. Es ist deshalb wichtig und essenziell , dass von allen unabhängiger Journalismus finanziell mitgetragen wird, sei es durch Abos oder die 10 Cent beispielsweise auf der Taz Zahleinrichtung für bestimmte Berichte, oder mindestens durch Verteilung über die sozialen Medien. So bleiben nicht nur Zeitungen am Leben, sondern vielleicht kriegen Journalisten auch irgendwann wieder genug bezahlt, so dass man es sich beispielsweise immer erlauben kann, bei Prozessen beizusitzen.

Written on mobile phone in Germany.

“Mark Duggan was not a bad man!”

RIP Mark Douggan im Zement des Straßenpflasters des Broadwater Wohnkomplex 2 (c) Daniel Zylbersztajn

Mein Bericht zum Gerichtsurteil über die  Mark Duggan Erschießung durch die Polizei, der die Londoner Riots 2011 auslöste, direkt vom Wohnbezirk in dem Mark Duggan lebte.

taz.de/Urteil-zum-London-Riot-von-2011/!130727/

Notizen die nicht i der Zeitung stehen:

  • Mehrere Menschen erwähnten das Anhalten und Dursuchen der Polizei als Teil schlechter Beziehungen  mit der Polizei.  Menschen mit Streetwear und Schwarze seien vor allen betroffen.
  • Drei Leute sprachen von Duggan im Zusammenhang mit Lee Rigby (Londoner Soldatenmord)  als Symbol dass man die falschen hat leben lassen, während Duggan “hingerichtet worden sei ohne eine echte Gefahr darzustellen.
  • Es gab keine einheitliche Meinung zum Wohnbezirk.  Einige nannten es hart andere normal und OK.
  • Eine Person gab an dass die Beziehungen zur Polizei seit der Ermordung eines Polizisten in Broadwater entstanden. Die dafür verurteilte Person war nach der Meinung des Informanten unschuldig. en.wikipedia.org/wiki/Murder_of_Keith_Blakelock

ENGLISH: My report in the German newspaper Taz, Die Tageszeitung about the reactions the inquest results concerning Mark Duggan from the the estate on which Mark Duggan once lived.  “Duggan was a good man!” (use googletranslate if you do not speak German)

taz.de/Urteil-zum-London-Riot-von-2011/!130727/

A few brief notes that not get into the paper:

  • Several people mentioned a high volume of stop and search practices against innocent black men in the area as being indicative of bad relations with the police
  • Three times Duggan was mentioned to me beside the Lee Rigby case as illustrating how excessive Duggan was dealt with compared to real murderers.
  • There was no unison opinion about the estate.  SOme called it rough, others as quite OK.
  • One person mentioned the murder of a police man on the estate in 1985 as the beginning of rough treatment.  The person convicted of the crime was held to be serving innocently according to one man’s opinion  that I spoke to.
Broadwater Farm Estate, London, (c) Daniel Zylbersztajn
Broadwater Farm Estate, London, (c) Daniel Zylbersztajn