Highlights meiner Texte aus dem Jahr 2014| Most interesting texts written by me in 2014

Meine dreizehn besten Beiträge und Berichte des Jahres 2014.  Besonderen Dank  an die taz, die Jüdische Allgemeine und alle Redakteure, die mit mir arbeiteten.  Ihr werdet selten genannt und seid immer essentiell.

My best 13 reports and articles from 2014. Special thanks go to taz, die Tageszeitung, the Jüdische Allgemeine and all the editors that worked with me. You are seldomly named and yet essential.

Endlich kein Randthema mehr. Bericht vom Gipfel gegen Frauengewalt in Konfliktzonen.

https://dzx2.net/2014/06/14/taz-endlich-kein-rand-thema-mehr-finally-no-more-a-marginal-topic/

und

Sexuelle Belästigung. 80 Prozent der Männer sahen zu. S07-tt4-01.ebook

Ministeriale Sitzung

DSC01755No longer a marginal issue. Report from the summit on the elimination of violence against women in conflicthttps://dzx2.net/2014/06/14/taz-endlich-kein-rand-thema-mehr-finally-no-more-a-marginal-topic/and Sexual Harassment. 80 percent of men watched without intervening. S07-tt4-01.ebook

Antisocial subjectivity infringing the principle of >>Living Together<<. Wer hat angst vorm schwarzen Schleier. Kommentar bezüglich der Entscheidung des ECHR über das Verbot des Niqab in Frankreich.

http://www.opendemocracy.net/can-europe-make-it/daniel-zylbersztajn/antisocial-subjectivity-infringing-principle-of-%E2%80%98living-toget

English Article:Antisocial subjectivity infringing the principle of >>Living Together<< Who is afraid of the black veil. On the ECHR decision regarding the prohibition of the Niqab in France: http://www.opendemocracy.net/can-europe-make-it/daniel-zylbersztajn/antisocial-subjectivity-infringing-principle-of-%E2%80%98living-toget

Slimelight. Londons ältester Goth Club.

https://dzx2.net/2014/06/16/slimelight-extra-fotos-additional-photos-to-my-article/

Slimelight.Londons longest standing Goth club. A story.https://dzx2.net/2014/06/16/slimelight-extra-fotos-additional-photos-to-my-article/

London Goth Club Slimelight (c) Daniel Zylbersztajn, All Rights Reserved 2014
London Goth Club Slimelight (c) Daniel Zylbersztajn, All Rights Reserved 2014

Islam ist nicht gleich Islam. Besuch in der Whitechapel East London Moschee, der größten Moschee Großbritanniens http://www.taz.de/Muslime-in-Grossbritannien/!150143/

Islam is not always the same. Visit in the Whitechapel East London Mosque, the biggest mosque in the UKhttp://www.taz.de/Muslime-in-Grossbritannien/!150143/

Whitechapel Mosque (c) Daniel Zylbersztajn.
Whitechapel Mosque (c) Daniel Zylbersztajn.

Alma Deutscher, das glückliche Wunderkind.

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/20896

Alma Deutscher in teh Tree House (c) Daniel Zylbersztajn
Alma Deutscher in her “Tree House” (c) Daniel Zylbersztajn
Alma Deutscher the happy “miracle child”http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/20896

Kein Penny für Ed (Milliband)

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/20781

No Penny for EdMillibandhttp://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/20781U

Ukip in Clacton. Ganz gewöhnliche Menschen.

https://dzx2.net/2014/10/08/clacton-simple-people-rather-than-elite-ganz-gewohnliche-menschen-statt-elite/

Ukip Wahlstrategen bei der Arbeit in Clacton (c) 2014 Daniel Zylbersztajn All Rights Reserved
Ukip Wahlstrategen bei der Arbeit in Clacton (c) 2014 Daniel Zylbersztajn All Rights Reserved
Ukip in Clacton. Ordinary People!https://dzx2.net/2014/10/08/clacton-simple-people-rather-than-elite-ganz-gewohnliche-menschen-statt-elite/

Referendum Scotland. Welchen Scotch, bitte?

https://dzx2.net/2014/09/18/4905/

Ein Ire fuer Schottland.   Ruairi O'Conchuir vor der Gedenktafel des schottischen Nationalhelden William Wallace in London. (c) Daniel Zylbersztajn
Ein Ire fuer Schottland. Ruairi O’Conchuir vor der Gedenktafel des schottischen Nationalhelden William Wallace in London. (c) Daniel Zylbersztajn
Referendum in Scotland, Which Scotchhttps://dzx2.net/2014/09/18/4905/

Springbank Brennerei (c) Springbank
Springbank Brennerei (c) Springbank

Die lustige Witwe. Die Escort Lady, über 80.

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/19844

The merry Widow. Over 80 Escort Lady http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/19844

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Halb Teufel – Halb Kind. Bericht über Großbritanniens Kampagne gegen Frauenbeschneidung / Genitalverstümmlung.

https://dzx2.net/2014/04/30/wir-sind-halb-teufel-halb-kind-half-devil-half-child/

Half Devil – Half Child. Report about Britains campaign against FGMhttps://dzx2.net/2014/04/30/wir-sind-halb-teufel-halb-kind-half-devil-half-child/

Blakelock Prozess bezgl. 1984 Aufstände in London: Justice for all.

https://dzx2.net/2014/03/15/justice-for-all-der-ganze-text/

Blakelock Trial: Justice for all.  Report from the Old Bailey about the brutal murder of a police officer amidst the Tottenham riots in 1984. https://dzx2.net/2014/03/15/justice-for-all-der-ganze-text/

Antisemitischer Cartoon in der SZ (The Tablet)

https://dzx2.net/2014/02/25/opinion-deliberations-after-article-on-the-anti-semitic-cartoon-in-the-sz/

ENGLISH:Anti-Semtic Cartoon in German mainstream newspaper SZhttps://dzx2.net/2014/02/25/opinion-deliberations-after-article-on-the-anti-semitic-cartoon-in-the-sz/

Mark Duggan, erschossen von der Londoner Metropolitan Police,  war kein schlechter Mensch. https://dzx2.net/2014/01/09/mark-duggan-was-not-a-bad-man/

Broadwater Farm Estate, London, (c), reported in taz, die Tageszeitung (c) Daniel Zylbersztajn 2014
Broadwater Farm Estate, London, (c), reported in taz, die Tageszeitung (c) Daniel Zylbersztajn 2014

Daniel Zylbersztajn Highlights 2013:

https://dzx2.net/2013/12/29/2013-im-ruckblick-einer-selektion-meiner-berichte-aus-england/

Daniel Zylbersztajn die besten Beiträge von London 2012:

dzx2.net/cv/london-2012/

Generelle Highlights:

dzx2.net/best-of/

Mark Duggan, shot by the London Met, was not a bad person.  https://dzx2.net/2014/01/09/mark-duggan-was-not-a-bad-man/

Tageszeitung (c) Daniel Zylbersztajn 2014
Tageszeitung (c) Daniel Zylbersztajn 2014

Daniel Zylbersztajn Highlights 2013:

https://dzx2.net/2013/12/29/2013-im-ruckblick-einer-selektion-meiner-berichte-aus-england/

Daniel Zylbersztajn, Best of London 2012:

dzx2.net/cv/london-2012/

General best of:

dzx2.net/best-of/

Terror in London: Balance der Risikofaktoren. Verdacht auf unbehandeltes Trauma. | Terror in London. Possible untreated PTSD in killers of Woolwich say experts

Terror in London: Balance der Risikofaktoren.

(c) 2013 Zylbersztajn, Alle rechte Vorbehalten, (C) 2013 All Rights Reserved

Verdacht auf unbehandeltes Trauma bei Attentätern sagen forensische Experten.

Das Video Michael Adebolajos in der er vor der Handykamera mit Blut verschmierten Händen eine Aussage macht, wurde weltweit gesehen. Aber zu welchen Folgerungen kommen Experten in der forensischen Psychologie hierzu?

Dieser Bericht wurde in den Medien nicht veröffentlicht. Ich würde mich darüber freuen von Lesern zu hören wie nützlich sie diese Interviews aber fanden.  Bitte hinterlassen Sie deshalb einen Kommentar am Ende.

ENGLISH:

Terror in London.  Possible untreated trauma of  murderers could possibly have led to the murder of Lee Rigby say experts.

After the Woolwich murder of Lee Rigby I interviewed two foresic psychologists, leaders in their field,  about the “bloody hands video” that circulated arund the world.  An unusual and interesting and informative assessment of the psychology of those who murdered the soldier Drummer Lee Rigby.

Use googletranslate or similar to get a reasonable English translation (simply put the entire link http://wp.me/p2dMvS-Al  inside.

© DANIEL ZYLBERSZTAJN  2013 Terror in London: Balance der Risikofaktoren.

Verdacht auf unbehandeltes Trauma bei Attentätern sagen forensische Experten

Das Video Michael Adebolajos in der er vor der Handykamera mit Blut verschmierten Händen eine Aussage macht wurde weltweit gesehen. Aber zu welchen Folgerungen kommen Experten in der forensischen Psychologie hierzu?

Daniel Zylbersztajn befragte zwei Experten in menschlicher Gewalt.. Dr. Claire Lee ist Expertin in Kriminalitätsentwicklung, Entscheidungsvorgängen am Tatort, und Persönlichkeitsstörungen. Sie arbeitet an der Universität Portsmouth im internationalen Forschungszentrum für forensische Psychologie. Dr. Jeff Victoroff ist ein Arzt und Professor für klinische Neurologie und Psychiatrie an der Universität von Südkalifornien. Seine Spezialisierung liegt bei menschlicher Aggression, der Psychologie von Terroristen und Selbstmordattentäterin und er ist Mitglied vieler internationaler Gremien über Terrorismus und Aggression unter anderem für die NATO und die Vereinten Nationen.

Daniel Zylbersztajn: Wie würden Sie die Aussagen von Michael Adebolajo vor einer Handykamera auslegen, nachdem er gerade den britischen Soldaten Lee Rigby auf offener Straße brutal zerhackt hatte. Er entschuldigt sich sogar, dass Frauen dies sehen mussten. Liegt hier etwa eine mentale Erkrankung vor?

Nee: Es ist ein Beispiel von Radikalisierung, im Gegensatz zu einer mentalen Störung, weil es ihm möglich ist, sein Verhalten in dieser Extremsituation zu erklären und zu rechtfertigen.

Victoroff: Genaues kann man aus dem Video nicht schließen. Adebolajo zeigt in dem Video weder Anzeichen, die auf Wahn, interne Dränge oder schizophrene Störungen deuten lassen, aber man kann es nicht ausschließen. Auch ist der Grad seiner Erregung ist eher untypisch für eine starke Depression. Die relativ deutliche Rede und der stabiler Stand und Gang machen auch einen Rausch, wie durch Alkohol, unwahrscheinlich. Was seine Entschuldigung gegenüber Frauen betrifft, ist es schwer zu beurteilen, ob es eher was mit seinem Temperament, seiner Erziehung, oder kulturell Gelerntem zu tun hat, oder ob er in der Tat ein kleines bisschen Reue zeigt. Es können aber auch derartige psychodynamischer Faktoren vorliegen, für die man fünf Jahre Untersuchung braucht, um sie zu entdecken.

Daniel Zylbersztajn: Sie sagen er erklärt seine Tat mit relative Klarheit. Ein Akt eines rationell denkenden Terroristen also?

Victoroff:Nach meinem besten Wissen ist Rationalität keine menschliche Eigenschaft. Sie meinen eher das Fehlen einer starken Denkstörung, so wie etwa ein Wahn? Aber Sie sollten beachten, dass Menschen die nicht an einer mentalen Krankheit leiden, dennoch nach Schemen unzähliger bewusster und emotionaler Neigung handeln. Nimmt man die Rede Adebolajos buchstäblich, dann kann sein emotionales Motiv für seine Gewalttat zu begehen, eine Kombination der folgenden vier Szenarien sein:

Eine Reaktion auf echte Vorkommnisse, vor allem die nicht-islamische westliche Militärbesetzung auf hauptsächlich islamisch bewohnten Boden

Die Art wie durch seine eigene Persönlichkeit diese Ereignisse interpretiert und gefühlt werden. Zum Beispiel alles in „schwarz-weiß“ zu sehen, was ganz typisch bei Fundamentalisten ist und die Wahrnehmungsflexibilität mindert.

Einflüsse von Personen die ihm als wichtig und gebührend erscheinen, wie zum Beispiel bestimmte Imame.

Ein Auslöser aufgrund einer persönlichen Verletzung oder Demütigung, und welche er seinen politischen Feinden zuspielt, oder so irrelevant ist, wie der Abbruch einer Beziehung, also ein Racheakt oder eine verlagerter Wut.

Daniel Zylbersztajn: Adebolajo befand sich aber nach Aussagen der englischen Medien seit mindestens sechs Jahren im Zirkel militanter islamischer Randgruppen. Ist so eine Assoziation auch genug, um einen Menschen zu solchen Gewaltakten zu bewegen, oder bedarf es dazu gewisser psychologischer Schwächen?

Nee: Je mehr Risikofaktoren bestehen, umso wahrscheinlicher ist das Ausgeliefertseins zur potenziellen Indoktrinierung. Zu solchen Faktoren gehören alle möglichen soziologischen und individuellen Faktoren. Zum Beispiel sind die soziologischen eine Abstammung von einer marginalisierten Gruppe, als auch ein versperrter Zugang zum Erziehungssystem, zu gesundheitlicher Verpflegung, oder zum Arbeitsmarkt. Das Erfahren von Rassismus und rassistischen Attacken, persönliche oder familiäre Traumata, Misshandlung, sowie das Fehlen von Respekt durch andere in Autoritätsstellungen gehören ebenfalls zu diesen Faktoren. Sie hinterlassen alle ein Gefühl der gesellschaftlichen Ausschließung. Wenn man zu diesen soziologischen Faktoren, individuelle Faktoren zieht, dann wird es wahrscheinlicher, dass sich jemand durch solche Bewegungen indoktrinieren lässt.

Daniel Zylbersztajn: Sie nannten auch individuellen Faktoren?

Nee: Zu individuellen Faktoren gehören Erinnerungen an traumatische Vorfälle, ein niedriges Selbstbewusstsein und eine Ausgesetztheit externer Kontrolle der Lebensumstände, sowie verschiedene Persönlichkeitsstörungen, sowie narzisstisches oder unsoziales Verhalten. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass sich jemand solchen Bewegungen anschließen würde, ohne dass einige dieser Faktoren zutreffen.

Victoroff: Individuen haben viele Zugehörigkeiten, Schulkollegen, Religion, Familie oder ein Fußballverein. Irgendwann in Adebolajos Leben verstärkte sich sein Zugehörigkeitsgefühl mit denen, welche wütend auf das Benehmen des nicht-islamischen Westens sind, und zum Ausschluss aller anderen Zugehörigkeiten.

Daniel Zylbersztajn: Was sie da beide sagen, hört sich an, als ob nahezu jeder zum Terroristen gedrängt werden kann. Ihre genannten Faktoren sind ja bekannte Muster aus dem Leben vieler?

Fast jeder kann zum Terroristen gedrängt werden. Aber einige wissenschaftliche Beweise suggerieren, dass nur eine kleine Untergruppe sich tatsächlich bewaffnet und die Zivilbevölkerung angreift. Depression, angeborene Aggression, Verlustgefühle und posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und eine Tendenz die Welt in Schwarz und Weiß zu sehen sind wohl die entscheidenden Faktoren, die jemanden dazu bringen politischen Beschwerden mit Gewaltakten zu beantworten, etwa eine Person unter Zehn oder gar hunderttausend Anderen, eher selten.

Nee: Es mag selten sein, aber immer mehr Menschen sind davon betroffen, und zwar in Gesellschaften auf der ganzen Welt. Der Grund ist die sich global ausgebreitete Rezession.

Daniel Zylbersztajn: Oh das ist ja Armut als einer der Hintergründe. Bei diesem Fall in London reden aber alle von Religion und Ethnizität?

Nee: Ich weiß nicht welche Entscheidungskriterien die Regierungsanalytiker benutzen, aber in den Medien liegt der Schwerpunkt wahrscheinlich zu oft nur bei Ethnizität.

Daniel Zylbersztajn: Es heisst, dass Adebolajo wahrscheinlich in Kenia vom dortigen Geheimdienst gefoltert worden ist, und dass man ihn auch mit sexueller Misshandlung gedroht hätte. Danach wurde er von den englischen Sicherheitskräften verfolgt. Er sei dadurch ein verschlossener Mann geworden, im Gegenteil zu vorher. Vom Mittäter Michael Adebowale wird gesagt, dass er miterleben musste, wie ein Freund aufgrund eines brutalen rassistischen Angriffs starb, bei dem auch er selber vom Täter verletzt worden war. Welchen Einfluss können solche Erlebnisse haben, ins besondere, wenn es schon ein vorheriges Interesse an militanten Bewegungen gab?

Nee: Wenn sich diese Tatsachen über die Folter und den miterlebten Mord als wahrhaft erweisen, besteht bei mir überhaupt kein Zweifel, dass solche Erfahrungen die beiden verletzlicher gemacht haben könnten, um durch radikalen Gruppen indoktriniert zu werden. Solche Erfahrungen sind aber traumatisch bedingt, im Gegensatz zu psychotischen mentalen Erkrankungen.

Victoroff: …und sie mögen auch Rache gegen die Leute suchen, von denen sie glauben dass sie die persönliche Verletzungen verantwortlich sind. PTBS stört die emotionale Regulierung und senkt die Schwellgrenze, bei der unproportionale Reaktionen provoziert werden können. Aber eine Komplikation von PTBS war auf alle Fälle kein Faktor beim Mord selber. Nichts im Video lässt darauf schließen, dass er bei der Tat in einem dissoziativen Zustand war.

Daniel Zylbersztajn: Wer kümmert sich denn in Großbritannien, um Menschen die Traumata erfahren haben?

Nee: Behandlungszentren im mentalen Bereich. Der Überweisung zu einer Behandlung geht über den Hausarzt. Aber diese Behandlungszentren sind in Großbritannien vollkommen überlastet. Es ist möglich, dass Tausende, niemals um Hilfe fragen, und gerade dann, wenn sie sich ohnehin von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen.

Daniel Zylbersztajn: Und hätte man den beiden helfen können? Sollten Fachkräfte im mentalen Gesundheitsbereich viel öfter mithelfen? Wenn die Effekte der traumatischen Erfahrungen in einer Therapie aufgearbeitet worden wären, dann wäre es weniger wahrscheinlich gewesen, dass Adebowale und Adebolaja ihre Missstände durch das Aufsuchen einer radikalen Gruppe gelöst hätten.

Victoroff: Aber echte mentale Erkrankung ist oft gar nicht vorhanden. Ich glaube nicht, dass eine erweiterte Überwachung durch Experten im Bereich der mentalen Gesundheit Terrorakte ernsthaft verringern würde.

Laut Aussagen einer englischen Sozialarbeiterin im mentalen Gesundheitsbereich gegenüber Daniel Zylbersztajn, ist mentale Gesundheitsversorgung für Menschen mit Migrationshintergrund ein offenes Minenfeld. Menschen mit Migrationshintergrund werden im Gegensatz zu anderen disproportional als chronisch mental krank diagnostiziert „und mit Drogen voll gestopft,“ oder überhaupt gar nicht aufgenommen. Psychotherapie für nicht chronische mentale Zustände wie PTBS ist eher eine rare Behandlung. Deshalb gibt es viel Misstrauen gegenüber diesem Sektor unter Migranten, und oft bestehen auch erhöhte Stigma bezüglich einer Diagnose mentaler Probleme und bezüglich der psychologischer Versorgung. Kürzungen in den Budgets der mentalen Gesundheitsversorgung in England aufgrund der Rezession haben diese Situation nur noch verschärft. Wie auch Nee bestätigte, viele Betroffene erhalten keinerlei Hilfe.
 © DANIEL ZYLBERSZTAJN  2013