“Unsere Europäische Art”

Wenn Ursula von der Leyen von der „europäischen Art zu leben“ entgegen Johnson spricht (1), benutzt sie ausgrenzendes Vokabular, dass nicht besser als das der Brexit Front ist, wo mit der Floskel des „our British Way of Life“ – unserer britischen Lebensart –  gleichfalls argumentiert wird.  Wer sich so wie von der Leyen positioniert, definiert die EU als selbstgerechtes Bündnis welches so, mit dem Wort „unsere“ klar anderen Regionen und Ländern gegenüber ausschließt und das Wohl der Zivilisation prinzipiell für sich behauptet. Ich bin für Großbritannien in der EU, dass bedeutet aber noch lange nicht, dass derartiges Gelabere von der angeblichen „europäischen Lebensart“  entgegen andere Regionen der Welt, Gültigkeit hat. Wer zu stark auf „unser Europa“ pocht darf nicht vergessen  was „unsere Lebensart“  bedeutet, wenn Europa als Konsument von Gütern und Ressourcen betrachtet wird und kollektiv mit den von europäischen Staaten verursachten historischen Katastrophen und Kriegen, Genoziden, dem Kolonialismus, der Sklaverei, der Welteroberung-und-Bevormundung und der forcierten Missionierung, dem Holocaust und dem ehemaligen und heutigen Menschenhandel. Großbritannien mag durchaus tiefer in seine absichtlichen Übersehen blicken müssen, sich entkolonialisieren, damit das Empire Denken sich beruhigt, aber jene die zu laut Europa schreien, sollten dies ebenfalls tun. Neben dem nächsten „europäischen Cappuccino im mediterranen Cafe mit Meerblick schwimmen Leichen von Menschen über bereits seit Jahrzehnten und Jahrhunderten versunkenen Skeletten, deren aller Präsenz auch die „Lebensart Europas“ mitdefinieren. Nur aus diesen Erfahrungen darf das Gelübde zur angeblichen „europäischen“ Toleranz, der Gerechtigkeit Gleichberechtigung, Solidarität und Menschenrechte verstanden werden.

Globalverantwortung und Klimaschutz als Gegenpol zu Wirtschaftsblöcken und Segregationspolitik.

Globalverantwortung und Klimaschutz als Gegenpol zu Wirtschaftsblöcken und Segregationspolitik.

Ich habe lange von der Seite zugeschaut. Am Anfang erschien es so, als ob ich als Deutscher in London selbstverständlich zur Remain Seite gravieren sollte.

Doch das wäre nicht dem wahrhaft gewesen, was ich von Seiten der EU und seinen Mitgliedsstaaten seit Jahren beobachtet hatte: Die Politik, die manche als „Fortress Europe“ Europafestung, beschrieben hatten.

Auch wenn die Bundesrepublik viele Flüchtlinge bei sich aufgenommen hat, andere EU Staaten taten es nicht, oder sie tolerierten diese Menschen, ohne ihnen menschenwürdige Zukunftschancen zu geben. Zehntausende liegen auf dem Boden des Mittelmeers, dafür, dass Flugzeuglinien, die in EU-Länder fliegen, dazu verordnet sind, unter Drohung hoher Bußgelder, keine illegalen Migranten mitzunehmen. Stattdessen wurde so von der EU indirekt der illegale Menschenhandel angetrieben.

Dass es Flüchtlinge in den Ausmaßen gibt, wie wir es miterleben, hat viel mit wirtschaftlicher Blockpolitik zu tun und der Art und Weise, wie Kriege in den letzten 20 Jahren gekämpft oder nicht gekämpft wurden.

Der Norden, dies ist schon ein uraltes Argument, stütz sich gerne auf den Süden, den dieser weiterhin wirtschaftlich unterdrückt und ausbeutet. Die westliche Moderne begann mit der Zerstörung von Zivilisationen in Amerika, Afrika und Asien. Zuerst vor allen durch Europa und später die Vereinigten Staaten mitbetrieben, gesellen sich zum Norden heute auch China, Indien und einige kleinere Länder hinzu, die wiederum die Ressourcen und Energien anderer ausbeuten. Die marktwirtschaftliche Kurbel dreht sich weite. Jene die davon profitieren stehen größtenteils auf der einen Seite, die anderen im Süden, mit der Ausnahme von örtlichen Handlanger*Innen, die als Agenten des Nordens operieren, teilweise Mitglieder korrupter Regierungen, die mit dem Norden eine Sache machen, zum Nachteil der eigenen Bevölkerung. Indirect Rule, nannten die Briten im imperialen kolonialen Zeitalter das.  Die Mehrheit der Weltbevölkerung bleibt mit diesem System in tiefer Armut, ein schandhafter Befund für die Gegenwart.

In Großbritannien wollten manche das Diktat aus Brüssel nicht mehr hinnehmen, und als eigenes Land mit der Welt agieren können, ohne Umweg über die EU, so der Wortlaut. Es ging um Souveränität und ein limitiertes Geschichtsverständnis, welches immer wieder von Großbritannien als große weltorientierte Handelsnation sprach und das Blutvergießen und die Ausbeutung des eigenen Imperialismus und Kolonialismus, einer der brutalsten in der Menschengeschichte, einfach mal so zur Seite schob. Dieses absichtliche Ignorieren hatte große Potenz, so wie jeder Nationalismus, der sich auf die Vereinfachungen viel komplexerer Gegebenheiten stellt. So wie die Idee des Europas, das größtenteils bis heute glaubt, dass der Islam und der afrikanische Kontinent nicht gravierend zu seiner eigenen Entwicklung beigetragen hätte. Dabei gibt es kaum eine Architektur, die nicht indirekt auch auf die arabische Dominanz des frühen Mittelalters zurückgeht, und weder Holland, Portugal, Belgien, Deutschland, noch Italien oder Dänemark sind neben Großbritannien ohne ehemals koloniale Ausbeutung zu verstehen – im Fall Italiens, lässt sich das noch weiter in die millenare geschichtliche Vergangenheit dehnen.  Auch kein anderes Land ist einfach nur so groß oder wunderbar, der Erfolg Chinas beispielsweise ruht genauso auf der Ausbeutung anderer zum eigenen Profit, wie der der Vereinigten Staaten.

Und dann gibt es die Realität der Gegenwart und Zukunft. Globale Herausforderungen wie Umweltverseuchung, Artenschutz, die Erwärmung der Welt, Plastik in den Meeren, Trinkwasserverseuchung, Epidemien, Naturkatastrophen, Hunger, Waffen der Massenvernichtung, und Waffen allgemein, oft genug in den Händen menschenverachtender Gruppen, nukleare Gefahren, Abholzung und Luftverschmutzung.

Die Politik, die uns derzeit formt, ist deshalb als  reaktionäre Politik der Alten Welt zu verstehen. Sie will, so lange es eben geht, noch ein bisschen länger um sich werfen, noch ein bisschen länger so tun als gäbe es die neue Realität nicht, so wie die Autoindustrie, die noch ein bisschenlänger die dreckigen Modelle von Gestern verkaufen möchte, und Politiker die um der Industrie nicht zu schaden keine schnellen Veränderungen fordern. Noch ein bisschen länger Profit aus der alten Weltordnung machen können, den Klimawandel und anderes deshalb ignorieren, das ist es, doch was Menschen wie Trump in einem Satz zusammenfasst. Noch ein bisschen länger blind verschwenden und zerstören können solange der Rubel, Peso, Dollar, Euro oder Pfund eben noch rollt.

Was bei alle dem, dem Brexit, oder keinem Brexit, AfD oder America oder China First, dem Ruhm der EU fehlt, ist Globalverantwortung. Einfach gesagt, die Verantwortung für die Welt und Menschheit als Ganzes. Wem jedoch das Lokale, Örtliche  teuer ist – und dafür gibt es viele derzeit, nicht nur in Großbritannien wo Theresa May behauptete,  dass Weltbürger Bürger von Niergendwo sind – sollte lernen und bereit sein global besser umzuverteilen. Menschen, die Zugang zu Grundbedürfnissen haben, von Arbeit, Erziehung, gesicherter Wohnung, zu medizinischer Versorgung, sind weniger im Bedürfnis zu migrieren, ich spreche von den sogenannten Wirtschaftsmigranten genauso, wie den echten Flüchtlingen.

EU allein, Großbritannien allein, Russland allein, Amerika allein, China oder Indien allein, Brasilien gegen alle, all das löst keine der zukünftigen Herausforderungen in einer immer enger zusammengewachsenen Welt. Statt über die Geschichte der Menschheit zu sprechen, wird in den meisten Schulen der Welt trotzdem noch immer Nationalismus gepredigt, der die eigene Existenz und das eigene Wohl, den Wert der eigenen Geschichte, über die aller anderen schiebt. Wir kennen das in Deutschland, hatten es probiert.  America First übersetzt sich passend mit der Floskel Deutschland über alles. Es führte zu einer Katastrophe, die das Deutschland dieser Zeit zerstörte. Doch das Wasser steigt nicht, und die Wüste vertrocknet nicht, die Eisberge versinken nicht, noch schmelzen die Gletscher oder hungern die Menschen in einem bestimmten Land nur aufgrund eines Landes, sondern weil wir als Menschen keine gemeinsame globale Verantwortung nehmen wollen und weiterhin nur mit Konzepten der Abgrenzung und des Eigenvorteils denken,

Diese Art des Denkens ist somit die größte Herausforderung der nächsten Generation. Es geht weder um Brexit, noch um eine Armee für Europa, oder scharfe Worte gegen alles Neue in Brasilien, sondern der Armee der Menschheit, welche sich diesen globalen Herausforderungen stellt, in dem sie die Welt überall, und alles, was darauf ist,  besser schützt, und gerechter macht.

Unterschiede und Diversität machen das Leben interessanter, bringen neue Ideen auf, sie dürfen aber keine Berechtigung der Ausgrenzung, Ungleichheit oder Ignoranz sein. Die alte Art des ausgrenzenden eigenbezogenen nationalistischen Denkens ist nicht mehr akzeptierbar. Wenn aus einer Fabrik in einem verborgenen Teil der Welt Dreck ins Meer fliest, beispielsweise nuklearer Abfall, dann ist das ein Problem für alle, und Mensch und Tier.  Wenn in einem Land Menschen leben, die Millionen auf ihren Konten haben, und in einem anderen Land oder bloß in einer Unterergion Menschen, die von ein paar Cents pro Tag überleben müssen, ist das ebenfalls ein Problem für alle. Wenn ein paar Länder die Meere überfischen, und weiter Regenwälder abholzen und Plastik unsere Meere kaputt macht, ist das genauso ein Problem, der Ausbruch einer Epidemie in einem Teil der Welt, einen Teil den manche Menschen nicht mal kennen mögen ebenfalls.

Brexit Befürworter argumentierten, dass sie sich der Welt und nicht nur Europa stellen wollten, doch sie die meisten wollen es nur aus der Sicht des eigenen nur britischen Profits. Der gravierende Fehler sowohl der EU, als auch Großbritanniens, ist das Fehlen der Einsicht dass in der Welt von Morgen es nur den Profit der einen Menschheit oder den Verfall aller gibt. Doch momentan geht es eben gerade noch, noch ein bisschen weiter Alte Welt, ja teilweise ihre Re-etablierung, trotz aller bekannter Risikos und Warnungen. Das ist im Grunde auch menschlich und doch der weitere Abstieg in eine globale Katastrophe. Junge Menschen, die sogenannten Millenials verstehen das zunehmend. In Großbritannien finden Umweltschutz Aktivismus Gruppen wie Exctintion Rebellion immer mehr Anhänger*Innen. Sie sind der Gegenpol zu Alledem, sehen eine kollektive Verantwortung als Fundament, anders als die meisten heutigen Politiker.

Es ist also weder Remain, noch Brexit, weder die EU, noch America First, oder das große Russland, noch irgendein anderer Block, um den es wirklich geht. Angesteuert werden muss eine globale und gemeinsame Verantwortung der einen Welt, des einen Planeten Erde.

Unite Europe Demo 25th March 2017

Unite Europe Demo  25th March 2017

Mein Bericht ist hier in der taz.  My report is here in the German taz

https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5395409

 

Brexit Comment: The people on Tyburn

The English translation of my Brexit comment

I am personally quite depressed about the results of the referendum.

 

It were not the positive reasons against an EU with “business as usual,” perhaps with an eye to the way the EU handled Greece or how they reacted to the crisis in Ukraine, nor – more importantly – how they managed the refugee issue, or their largely held assumption as Christian and the source of all civilisation, nor the agricultural regulations ( I am old enough to remember the mountain of butter wasted in the 1980s).   I don’t throw any of these arguments out, they are mostly valid.  Now that Britain is on its own however, it can negotiate its own TTIP agreement, but rather than with a critical and careful evaluation as is the case in the EU, given all the protests, with the renewed neo-liberal elan and anglo-centric power of the Tory Party.

 

For over three months I was on the roads of England and Wales, precisely those areas that voted largely against the EU for the German independent left of center newspaper taz, die Tageszeitung (see here). What depresses me actually is that the arguments of many who voted for Brexit had actually little in common with all of the above, but much more with the frequently argument put forward to me of  “too many immigrants” and “we need our country back!.”

Oftentimes a mixture of sentimental versions of a long gone imperial Great Britain and an undercurrent of nationalism, that frequently contained a dose of unashamed racism was presented to me..

Yes UKIP supporters argued in deed they desired to internationalise immigration. But when darker pigmented people had arrived in Britain in the 1950s, 60s and 70s from India, Pakistan, West and East Africa and the Caribbean many Brits complained ferociously. They welcomed Europeans gladly, “as people who are more like us”. But when they came they hurried to deny them their humanity likewise.

 

Many of the younger Brits voted for Remain. Hence it were especially the older ones fed and loaded with emotional, nationalist and populist propaganda from yesteryear, often against any real logic, such as in Wales, an impoverished region, that has been one of the largest beneficiaries of EU funding, who carry the responsibility of Brexit. Simple solutions for complex issues.

 

If you believe that this was a victory for left and justified critique of the EU, you are well advised to be more careful before you pass judgement. This was the glorious victory run of a raw, never critically examined, and once again forthcoming nationalism, which explicitly understands John Bull and Britannia to be atop the rest of the world.

 

Here in Great Britain, one looks rarely critically into ones own past. They celebrate the end of slavery, but refuse to take responsibility for the hundreds of years the practice went on to enrich the nation, and they likewise deny the truth, that it were slaves themselves who sabotaged the institution of slavery, before parliament abolished it, as the losses became too costly.  So now a sovereign Great Britain, can once again engage in pretentious and loud politics, but just like English football hooligans in France, it is more noise than content. The up until this day largely spread feudal estate owners, the monarchy are all in a better place once again. And cheap items produced with no or little labour rights can once again flood the market. Maybe there will soon be even a labour factory  under the personal supervision of the crown producing cheap royal souvenirs somewhere in Bangladesh.

 

Everything is like before the end of the colonial era. The servants of this vision are, as was the case historically, the ordinary people, who allow themselves to be exploited, the descendants pf those who in large numbers were sent into often senseless battles under the banner of manipulated patriotism, and the descendants of those workers slaving themselves  in industrial scale mills in the Manchester region, or in coal mines,  about whom Marx  once so eloquently wrote, or of those who being hungry and poor, were sent to Australia, after stealing a loaf of bread, or worse were hung on Tyburn. It’s all for the Queen and her country. And the country made a public spectacle of it, with alcohol and laughter and made sure the poor individuals, not the ruling elite and the inequality of the country  were to blame. Now it is the EU and its European immigrants!

London Underground / Brexit Dover

Dover Westhafen mit Sicht auf weisse Klippen, Rennovierung gesponsert mit Europahilfe
Revival of Dover Port with EU Money Photo: (c) Daniel Zylbersztajn (2016)

In the last few weeks I was busy researching  for German a magazine that comes out in August. But I also had two texts published in taz, which were however not put online.

  1. On the vulnerability of the London Underground to terror (contribution in a text of many authors) Read here in German
  2. On Europe, and Immigration fear in Dover (original report)  Read here in German Dover1

 

Deutsch

In den letzten Wochen arbeitete ich vor allen an Beiträgen für die Sommer Ausgabe eines deutschen Magazin. Zwei Texte kamen aber auch in der taz heraus. Sie wurden jedoch nicht online veröffentlicht.

  1. Über die Terrorgefahr in der Londoner U-Bahn (Hier Lesen)
  2. Über Europa, Immigranten und die Stadt Dover (Hier lesen Dover1)

 

 

Brexit Berichte – Brexit Reports

Diese Woche gab es zwei Berichte von mir zum Thema.

1.) Das Brexit Lager

2.)Wirtschaftliche und Sozialwissenschaftliche Konsequenzen des #Brexit

ENGLISH

This week I reported twice about the topic.

1.) About the Brexit Camp

2.) About the economic and socio economic consequences!

Crossrail & Ukip, Zwei Berichte in der Taz | Two correspondent reports in the taz

Zwei Berichte von mir in der taz, einer über Probleme beim derzeit größten Multimilliarden Bauprojekt Europas. der Ost-West Bahn Strecke Crossrail in London und ein anderer über die UK Independence Partei, welche trotz gegenwärtiger Bemerkungen aus eigenen Kreisen standhaft behauptet, nicht xenophob, rassistisch oder homophob zu sein.

ENGLISH

Two reports by me in the German Taz.  One about problems the work-force of the multi-billion construction site Crossrail experiences.  Crossrail is a new train connection that aims to connect East and West London.  The other report about Ukips claims it would not be a xenophob, homophobe or racist party, and its predictions to come out as the strongest UK party in EU elections.

Crossrail by the way failed to answer further questions by me, whilst the office of the London Mayor simply did not answer at all.  Hardly democracy at not at work of democratic and publicly funded posts and institutions.  It is not the first time the London mayoral office behaved like that, they are either incompetent answering questions or they do it deliberately.

 

Crossrail: http://www.taz.de/Verkehr-in-London/!137943/

Ukip: http://www.taz.de/Europawahl-in-Grossbritannien/!138213/