Brexit Kommentar: Das Volk an den Galgen!


Persönlich bin ich ziemlich niedergeschlagen vom Ergebnis des Referndums. Es waren nicht die positiven Gründe gegen die EU mit “Business as Usual”, beispielsweise Griechenland oder die Art und Weise wie die EU auf die Ukraine reagierte, oder noch wichtiger, wie sie mit der Flüchtlingskrise umgeht, oder gar ihr weit verbreitetes Selbstverständnis als christlich und “Quelle der Zivilisation”, oder die Landwirtschaftsregelungen, ich bin Alt genug für Erinnerungen an den Butterberg. Keins dieser Argumente verwerfe ich. Alleine kann jetyt Großbritannien seinen eigenen TTIP mit den USA schließen, unter den Tories mit neoliberaler anglozentrischer Wucht, statt unter der EU mit kritischen und vorsichtigen Stimmen.

 

Ich war über etwa drei Monate für die deutsche taz, die Tageszeitung auf den Straßen in hauptsächlich England und Wales, genau jenen Orten  die gegen die EU stimmten. Was mich niederschlägt, ist, daß die Argumentation vieler die Brexit wählten, meines Erachtens nichts mit all dem zu tun hat, sondern dem mir immer wieder breit geschlagenen Argument, “too many immigrants” und “we need our country back!.”

 

Oft mischten sich darunter sentimentale Visionen eines imperialen Großbritanniens, und ein unterschwelliger Nationalismus, oft durchaus mit Rassismus verbunden.

 

Da argumentierten Ukiper sie wollten Einwanderung internationaliseren. Doch als es dunkelhäutige Menschen aus Inden, Pakistan, Westaftika und den Karibikstaaten waren, da beschwerten sich die Briten der 60ger und 70ger Jahre. Man freute sich auf Europäer, “die mehr wie wir sind”. Doch als sie kamen, wurde ihnen ihre Menschlichkeit wieder entzogen. Viele der jungen Briten wählten für den Verbleib. Es sind also die Älteren mit emotional national populistischen Ideen von Yesteryear, entgegen jeglicher Logig, wie beispielsweise in Wales, eines der am meisten EU subventionierten Orte Europas,  die Brexit zu verbuchen haben. Einfache Lösungen gegen komplexe Argumente.

 

Wer glaubt, daß dies ein Sieg für die linke Kritik der EU ist, sollte vorsichtig sein. Es war der glohreiche Siegeszug eines rohen, nie kritisch betrachteten und wieder zum Vorschein gekommener Nationalismus, der Briten oben und den Rest der Welt darunter sieht.

 Man schaut hier selten kritisch in die Vergangenheit, feiert das Ende der Sklaverei, aber schaut sich nie genau den Bezug zur Sklaverei selber an, und die Tatsache, dass Sklaven selber die Institution sabotierten, bevor das Parlament dies abschaffte (auf Grund der Verluste). Nun kann also ein souvereignes unabhäniges Großbritannien wieder großprotzig Politik machen. So wie englischen Fußballfans in Frankreich, ist es mehr Geschrei als Inhalt. Die bis heute weit ausgebreiteten feudalen Landeigentuemer, die Monarchie, sind also wieder besser plaziert, und billig ohne Arbeitsrechte hergestellte Gegenstände können wieder importiert werden. Ja vielleicht werden sie sogar unter Schirmherrschaft der Krone hergestellt, irgendwo in einer Billigfabrik in Bangladesch.

Alles genau wie vor dem Ende der kolonialen Zeit. Und das Laufvolk dieser Vision ist wie in der Geschichte das sich ausbeuten lassende untertänige Volk, die Nachfahren jener, die oft in großen Mengen mit manipulierten Patrotismus in sinnlose Schlachten geschickt wurden, über welche Marx in den Textilfabrikhallen  Manchesters schrieb,   oder die in Australien oder gar am Galgen Tyburn landeten, weil sie aus Hunger ein Brotlaib gestohlen hatten. Alles für’s Land und die Königin!

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