Ein Finger ist genug – Behinderte über den Atos Sponsorenanteil bei den Paralympics


English description:

In this article I reported the protests of some disability groups regarding the sponsorship of Atos.  As the article remained unpublished I enlist it here to give credit to a significant side-issue to the Paralympics that was uttered several times to me in my encounters with disabled people in London.

Dieser Text, der bis jetzt nicht veröffentlicht wurde, berichtete über Proteste bezüglich des Großkonzerns Atos der die Paralympics sponserte.  Da ich immer wieder auf behinderte Menschen in London traf die mich darüber ansprachen, war ich der Meinung  ich, dass ich ihn Post-paralympics hier zum Nachlesen einfügen sollte.

Ein Finger ist genug!

(Alle Rechte vorbehalten (C) dzx2.net Daniel Zylbersztajn)

Behinderte über den Atos Sponsorenanteil bei den Paralympics

Daniel Zylbersztajn, London

Die Londoner Paralympics, kostete Geld. Zwar wurde der größte Teil der etwa £10 Milliarden Gesamtkosten der Olympischen und Paralympischen Spiele von den britischen Steuerzahlern getragen, aber etwa 7% des Kostenanteils wurd durch Sponsoren gedeckt. Nach David Stubbs, vom Londoner Organisations Komitees (Locog) waren es sogar 1/3 der Gesamtkosten, da Locog die Aufarbeitung des Ost-Londoner Gebietes (welche 2/3 der Kosten), vom Bau und der Durchführung der Spiele unabhängig versteht.Unter diesen Sponsoren befand  sich auch Atos. Das weltweite Unternehmen, dem seit letztem Jahr auch ein Teil Siemens gehört, hatte sich mit £64 Millionen speziell den Paralympics verschrieben. Aber einige britische Interessengruppen, welche Menschen mit Behinderungen vertreten, protestierten während der Paralympics gegen den Deal mit Atos.

In Großbritannien ist Atos für Tests im Auftrag der Regierung verantwortlich, die alle potentielle Sozialhilfeempfänger auf ihre Arbeitstauglichkeit prüft. In weniger als einer halben Stunde führt Atos-Personal ein computergesteuertes Testverfahren durch. Die Haupbetroffenen sind Menschen mit Behinderungen sowie mit chronischen Krankheitsbildern. Durch diese Testverfahren kam Atos seit einigen Jahren immer wieder ins Rampenlicht.  „Atos Kills!“ hieß es wiederholt auf Demonstrationen.   Tatsächlich waren die Leistungen von Atos auf verschiedenen Ebenen mangelhaft. Das besagten offiziell ein Untersuchungsausschuss und zwei unabhängige Studien im Auftrag der Regierung Westminsters. Die darin aufgeführten Beispiele schockierten: Atos war für auf Hilfe angewiesene Personengruppen, die beispielsweise weitere Auskünfte zu den Tests brauchten , nahezu unerreichbar. Menschen mit Gehbehinderungen wurden in einigen Regionen in mehrstöckige Gebäude ohne Rampen oder Aufzüge geladen. Auch überbuchte Atos absichtlich Patiententermine. Das Testverfahren selber wurde als mechanisch, schlecht, und den verschiedenen Krankheitsbildern unangemessen befunden. Korrespondenz der mit Atos arbeitenden zuständigen Regierungsbehörde mit den Kunden sei demoralisierend gewesen, so der Ausschuss. Wichtige Patientendaten die für das Resultat der Tests wichtig gewesen wären wurden oft ignoriert. 

Die Interessengruppe Disabled People Against the Cuts (DPAC – Behinderte gegen Kürzungen) spach sich am schärfsten gegen Atos aus. Ihr Aufruf zu Demonstrationen gegen Atos während den Paralympics liest sich dramatisch, „ Atos testet Menschen durch ein unmenschliches Computerprogramm und schult seine Angestellten, Betroffene von der Sozialhilfe runter zu drücken… Atos verwüstet Menschenleben weiterhin. Viele nahmen sich auf Grund der Tests das Leben, und über 1000 Menschen starben kurz nachdem sie als ‘arbeitsfähig’ deklariert wurden.”

Seit dem Ende des Regierungsausschusses, wurden Atos Verfahren verbessert.  Auf direkte Anfrage, konnte auch die damalige Ausschussvorsitzende Dame Anne Begg MP nur vergangene Probleme aufzählen und bestätigte positive Veränderungen. Trotzdem kam ein erleichtertes Aufschwingen der Agitosfahne für Atos zu rasch . Zwei Fernsehdokumentarsendungen, der BBC und Channel 4, wollten vor Beginn der Olympischen und Paralympischen Spiele beweisen, dass Atos immer noch nicht alle Verbesserungsmaßnahmen, welche in den Ausschüssen diskutiert wurden, eingeführt hat. Dabei erklärten vor versteckter Kamera, ein Atos Ausbilder einem Arzt, der sich bei Atos als Prüfer’ ausbilden ließ, es dürften nicht mehr als 11% der Getesteten als arbeitsunfähig ausgewiesen werden. Die Ausbilder erklärten dem Arzt außerdem: „Solange man noch einen Finger benutzen kann, ist man arbeitsfähig.“ Es waren erneute, wenn auch nicht großflächige Beweise, daß Atos auch weiterhin schockieren kann. In einem Interview mit der BBC bezeugte vor auch der Leiter der den Regierungsausschuss informierenden Studien, ” die Tests seien immer noch traumatisch für viele, trotz humaner Verbesserungen.

Der Labour Abgeordnete Tom Greatrex fordert jetzt eine Neuprüfung des Atos Regierungsvertrages. Er fand heraus, daß die Klagen gegen die Entscheidungen von Atos, dem Staat zusätzlichen jährlich £60 Millionen kosten. Atos solle die Arbeitsunfähigkeit von Anfang an besser einstufen, und somit die Notwendigkeit der Klagen senken. Aber die Einzelheiten des Vertrages zwischen Atos und der Regierung werden als geheim eingestuft. Die Ärztin Margeret McCarty versteht diese Geheimtuerei nicht:

 „Die Art und Weise, wie man die am meisten Kranken in unserer Gesellschaft behandelt, sollte anstatt hinter Wänden versteckt, sichtbar und offen sein. Der Staat und nicht ein Privatunternehmen sollten dafür die Verantwortung tragen.

Nach täglichen Aktionen während den Paralympics begaben sich DPAC mit Gleichgesinnten am 31. August zum Protest bei Oxford Circus.  Es kam zu Zusammenstoessen mit der Polizei (siehe The Guardian) „Let the Atos Games begin!,“ behaupteten DPAC ironisch, obwohl sie versicherten, dass sie nicht gegen die Paralympics und die darin gezeigten athletischen Leistungen seien. Protesten zum Trotz, ermächtigte sich Atos einer Sponsorenbeteiligung für das nächste internationale große Sportereignis in Großbritannien, den 2014 Commonwealth Games. Man darf annehmen, dass das auf Statistik und IT spezialisierte Unternehmen alles gut kalkuliert hat. 2015 läuft der Atos Regierungsvertrag aus und müßte dann erneuert werden. Zu den Paralympics bescheinigte Atos Sprecherin Caroline Crouch zur Zeit der Paralympics:. „Atos sei stolz, der weltweite IT Partner der Paralympischen Spiele zu sein und ist dieser Rolle und der Regierung voll verpflichtet.“

Text steht in Verbindung mit dem Bericht in der TAZ www.taz.de/Grosskonzerne-bei-Olympia/!98221/